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Marvel History – kurzer geschichtlicher Rückblick auf die Marvel Comics

Marvel History – Rückblick auf die Marvel Comics
von
Timely über Atlas zu Marvel Comics

Die Stationen der Marvel Comics von 1939 bis heute
Timely LogoTimely

Martin Goodman
Martin Goodman,
Gründer von Timely Comics

Der Vorläufer von Marvel war "Timely Publication" (1934 bis 1950, ab 1939 entstand dazu "Timely Comics") gegründet von Martin Goodman (18.1.1908 in Brooklyn - 6.6.1992 Palm Beach, FL).
Goodman war in den weniger guten Zeiten der Wirtschaftskrise als eine Art Vagabund unterwegs, ehe er als Verkäufer für Paul Sempliner's Independent News arbeitete. Mit Kollegen (John Goldwater und Maurice Coyne) machte er sich 1931 selbstständig und publizierte unter Columbia Publications als einer der ersten Verlage pulp Magazine. 1932 stieg Goodman aber wieder aus. Vermutlich aus strategischen Gründen hat er mehrere Verlage gegründet. Seine Ex-Kollegen gründeten MLJ Comics (Maurice Coyne, Louis Silberkleit, John Goldwater), aus dem später Archie Comics geworden ist. Von Goodman kam u.a. "Western Fiction Publishing" und "Red Circle" und er publizierte 1933 unter alleiniger Regie pulps (seine erste Publikation war Western Supernovel Magazine im Mai 1933, hieß später Complete Westen Book Magazine). Ein bekannter Charakter aus der Zeit ist Ka-Zar – ein Tarzan-Imitat (1936).
1939 erkannte Martin Goodman, dass mit Comicbooks Geld zu verdienen ist. Er sah den Erfolg von Action Comics (Superman) bei National Periodical (ab 1976 DC). Er verpflichtete (über Frank Torpey) Funnies Inc. ihn mit Comics zu versorgen. Funnies Inc. war ein junges Unternehmen, welches eine Serie verlegt hatte "Motion Pictures Funnies Weekly" (April 1939, vermutlich ist nur die erste Ausgabe erschienen und diese ist superselten), welches die erste Namor-Story (Sub-Mariner) enthielt. Funnies Inc. war im kreativen Bereich gut, hatte aber Probleme, seine Inhalte zu verkaufen. Insofern ergab sich hier eine gute Kooperation mit dem Geschäftsmann Goodman.

Western-Supernovel-Magazine
Western Supernovel Magazine - pulps aus dem hause Goodman
Funnies Weekly
Funnies Weekly,
erster Auftritt von Namor dem Sub-Mariner
Marvel Comics Timely
Marvel Comics 1 - der Beginn der Comic-Geschichte bei Timely
Ka-Zar
Ka-Zar, dasTarzan Imitat von 1936 - er tauchte immer wieder unter Timely und Marvel auf

Im Oktober 1939 erschien das erste Heft aus der Reihe "Marvel Comics" (Coverdatum November 1939, später Marvel Mystery Comics). In Marvel Comics 1 (Marvel Comics inspiriert von dem pulp-Titel "Marvel Science Stories") wurde das Material dann veröffentlicht, inkl. des Reprints der ersten Namor-Geschichte von Bill Everett mit zusätzlichen Seiten und in Farbe. Mit im Heft: the Human Torch von Carl Burgos, the Angel, Masked Raider und die Comic-Version von Ka-Zar. Nachdem mit der zweiten Auflage insgesamt 800.000 Ex dieser Ausgabe verkauft waren, gab Goodman den Auftrag für weitere Comics.

 

1939 stellte Martin Goodman Stanley Martin Lieber (Stan Lee) im Alter von 17 Jahren ein (Stan Lee ist der Cousin der Frau von Goodman). Anfangs zuständig für die niederen Büroarbeiten veröffentlichte Stan Lee 1941 seinen ersten Textbeitrag (hier Seite 1, Seite 2), einen Zweiseiter in Captain America Comics Nr. 3. Bald darauf begann er auch Geschichten für Comics zu schreiben. Zu Stan Lee (geboren am 28.12.1922 in New York) muss man an dieser Stelle nicht viel sagen, außer, dass Stan damals wohl noch andere Vorstellungen vom Schreiben hatte (was anspruchsvoll ist und was nicht) und darum den Künstlernamen Stan Lee wählte, weil Comics nicht die höchste Stufe der Schriftstellerei wären.

1940 sicherte sich Goodman die Rechte an den Charakteren von Funnies Inc. und begann sein eigenes Kreativ-Personal einzustellen. Hauptsächlich freie Mitarbeiter, die vorher für Funnies Inc. gearbeitet haben. Fest angestellt wurde Joe Simon (und auch Carl Burgos), der die Funktion eines leitenden Redakteurs hatte (der erste Chefredakteur - vor Stan Lee übrigens – bis 1941) und als Jack Kirby mit ins Boot kam versuchten Simon und Kirby neue Charaktere/Serien zu entwickeln. (Joe Simon kannte Kirby schon vorher - Kirby, geboren am 28.8.1917 in New York als Jacob Kurtzberg. Die Zusammenarbeitet mit Simon für Timely dauerte aber nicht lange, da Goodman Simon wieder feuerte, da dieser auch für andere Verlage arbeitete und lt. Goodman das zu einem Interessenskonflikt führte. Simons Meinung war, dass Goodman sich um die Zahlungen für Captain America drücken wollte. Kirby verließ das Unternahmen darauf hin auch bald.

Stan Lee
Stan Lee in jungen Jahren
Joe Simon Jack Kirby
Joe Simon und Jack Kirby - das Kreativteam
Captain America Comics 1
Captain America Comics 1 - de Start der erfolgreichste Timely-Serie (Kirby / Simon)
Captain America Comics
Captain America Comics 3 - Stan veröffentlicht seine erste Geschichte

Kirbys Karriere begann 1935 bei Fleischer Studios, wo er Popeye-Cartoons mitgestaltete. Zwischen 1936 und 1938 lernte er Joe Simon kennen, während er für Lincoln Newspaper Syndicate arbeitete. Kirby und Simon arbeiten in der Folge zusammen und produzierten Comics bis die Partnerschaft 1954 endete.)
Es gab einige Fehlversuche, ehe März 1941 das für Timely erfolgreichste Konzept (von Kirby und Simon) auf den Markt kam: Captain America Comics. Captain America entwickelte sich zur erfolgreichsten Timely-Serie und machte Superman und Bat-Man Konkurrenz.

Nachdem Jack Kirby und Joe Simon weg waren, hat Goodman Stan Lee zum Chefredakteur ernannt. Einen Position, die er viele Jahre behalten sollte. Zuerst aber nur zwischen 1941 und 1942, weil er zum Militär ging (Vincent Fago vertritt Stan während der Militärzeit als Chefredakteur 1942 bis 1945), und dann ab 1945 bis 1972. Erst 1972 wird er dann von Roy Thomas abgelöst werden.

Captain America Comics 75
Captain America 75
Marvel Mystery Comics 92
Marvel Mystery Comics 92
Sub-Mariner-32
Sub-Mariner Comics 32

In der Folge entstanden Superhelden in Massen bei vielen Verlagen (nach der Theorie: hast du ein erfolgreiches Produkt, mache gleich mehrere davon), die aber nach kurzer Zeit und wenigen Auftritten immer wieder verschwanden. Captain America, Human Torch und Sub-Mariner waren die Helden, die Bestand hatten. Natürlich gab es nicht nur Superhelden bei Marvel. Western, Funnys, Krimis, Romantik-Comics gab es auch und gewannen auch mehr Bedeutung.

 

Nach den für die Superheldencomics erfolgreichen 30er und 40er Jahre (es gab mehr als zwei Dutzend Verlage mit mehr als 160 Titel und einer Gesamtauflage von 300 Millionen Heften bei 30 Millionen Umsatz) wurde es erstmal stiller um dieses Genre. Nachdem der 2. Weltkrieg vorbei war, waren Superhelden (auch im Kampf gegen die Nazis) nicht mehr gefragt und auch in der Comicszene gab es natürlich immer wechselnde Trends.

Die Superhelden bei Timely wurden eingestellt ("Captain America Comics" mit Nr. 75, im Februar 1950, "Marvel Mystery Comics" (Human Torch) mit Nr. 92 im Juni 1949 und "Sub-Mariner Comics" mit Nr. 32, im Juni 1949). Nur National Periodical (DC) veröffentlichte noch weiter Superhelden-Comics.

 

Atlas-LogoAtlas

November 1951 ändert sich die Bezeichnung Timely in "Atlas Comics" (das Label existierte bis Oktober 57). "Atlas" war eine Vertriebsfirma, die Goodman gegründet hatte. Obwohl Timely eigentlich weiterhin seinen Namen behalten sollte, sind die Hefte aus diesem Zeitraum als "Atlas Comics" bekannt, weil die Hefte auch auf dem Cover das Vertriebs-Logo bekommen hatten. Es wurden Horror- (Vorbild EC), Science Fiction-, Funny-, Western-, Romantik-Comics (und alles, was Geld versprach) gemacht. Das Fernsehen, was nun als neues Medium Verbreitung fand, bot sich als Trend-Bestimmer an (liefen Western im Fernsehen gut, verlegte man Western-Comics, usw.). Goodman versuchte stets mit Masse statt Klasse Umsatz zu machen und sorgte für einen hohen Output an Serien. Stan Lee sagte, "wir machten alles, was gefragt war und wir machten nicht nur Einiges, wir machten es dutzendweise" Bei Timely waren Künstler wie John Severin, Bill Everett (Sub-Mariner-Erfinder), Carl Burgos (Human Torch Erfinder) und auch Stan Goldberg (Redaktion).

John Romita Sr
John Romita Sr.
Jack Kirby
Jack Kirby
Joe Simon
Joe Simon
Steve Ditko
Steve Ditko
Fredric Wertham

Fredric Wertham - bekannt durch die Comic-Hatz

Das Buch "Seduction of the Innocent" (1954) von Dr. Fredric Wertham (der Psychiater hatte großen Einfluss und konnte sogar den Senat beeinflussen) und die damalige grundsätzlich eher konservative gesellschaftliche Grundhaltung (McCarthyismus; hat den Namen von dem damaligen Senator Joseph McCarty; dauerte ca. von 1947 bis 1956) führten zu einer Verteufelung der Comics. Sie wurden beschuldigt, einen negativen Einfluss auf die Jugend zu haben (Comics führen zu Kinderprostitution, Pädophilie und Homosexualität) und es kam zur regelrechten Comic-Hatz. Sicherlich waren die Comic-Themen bzw. die Darstellung zu der Zeit auch recht blutrünstig (Horror, Verbrechen usw).

Letztlich war das der Höhepukt der Comic-Verteufelung, die schon um 1940 (mit sehr kritischen Aussagen) begann und sich bis 1948 und 1950 steigerte, wo man dann von Staatsseite mit harten Gesetzen den Comics mit schlechten moralischen Inhalten beizukommen versuchte (USA und Kanada). Allerdings konnte man diverse Gesetzentwürfe nicht mit der Pressefreiheit unter einen Hut bekommen.
Diese Situation brachte die Comic-Verlage und damit auch Timely/Atlas in wirtschaftliche Bedrängnis.

Zu dieser Zeit (1948) wurde als Reaktion auf die anhaltende Kritik der Comic Code ins Leben gerufen (Comic Code Authority CCA). Eine Möglichkeit der Selbstzensur der Verlage, gegen Gewalt-Inhalte, Verbrechen und was die Jugend sonst noch vom rechten Pfad abbringen könnte. Nur diese Comics konnten über die normalen Vertriebskanäle verbreitet werden, welche die entsprechende Freigabe hatten. Der Comic Code, der später durch die Spider-Man-Geschichten über Drogen (Harry Osborne) und die Überzeugung der Marvel-Macher/Stan Lee wieder geändert wurde.

Syd Shores
Syd Shores im Vordergrund
Tessie the Typist
Tessie the Typist - neben Superhelden wurden bei Timely alle anderen Themen auch behandelt
Millie the Model
Millie the Model - weiteres Beispiel, dass bei den Marvel-Größen nicht nur Superhelden entstanden

Das Ausgraben der alten Serien (Horror und Brutalität war nun etwas problematisch) Captain America und Sub-Mariner und andern Helden (Superhelden auch in Young Men) (1953 bis 1955) (Captain America, gestaltet von John Romita Sr., Human Torch, gestaltet von Syd Shores oder Dick Ayers und Sub-Mariner von Bill Everett) brachten nicht den erhofften Erfolg und wurden schnell wieder eingestellt.

Kirby kam 1956 als freier Mitarbeiter für ein paar Monate zurück (seine anderen Aufträge waren nicht so einträglich, wie er erwartet hatte.)

Es waren keine guten Zeiten für Atlas und die Comicbranche und Goodman wollte schon den Comic-Bereich schließen. Seine Magazine und Paperbacks liefen profitabel und irgendwie wurde das Comic-Geschäft dann doch noch weiter betrieben. Kirby erzählte mal eine Geschichte, bei der er in das Büro kam und gesehen hatte, wie die Möbel abtransportiert wurden und Stan Lee geweint hätte. Jack hätte dann zu ihm gesagt, dass sie das schon wieder hinbekommen. Er brauche schließlich auch einen Job und Geld. Stan konnte diese Geschichte aber nicht bestätigen und meint, er hätte sicher nie geweint und die Situation kennt er nicht. Auf jeden Fall wurde das Comic-Geschäft nicht eingestellt.

Kreative Köpfe in diese Zeit waren Joe Maneely, Russ Heath, Gene Colan und Steve Ditko, Fred Kida, John Severin und Syd Shores.


Probleme bekam Timely/Atlas auch durch den Wechsel der Vertriebspartner. Goodman wollte Publikationen über "American News Company" vertreiben und machte seine Vertriebsfirma "Atlas" dicht. Keiner seiner Mitarbeiter hat verstanden, warum er das wollte, aber Goodman hatte entschieden.

Leider erwischte Martin Goodman ein schlechtes Timing. American News Company war der größte unabhängige Distributer zu der Zeit. Es gibt Infos, dass es wohl rechtliche Probleme (Monopolstellung) gegeben hätte, aber auch, dass ein wichtiger Kunde abgesprungen ist (Dell Comics) und dadurch das Geschäft unrentabel geworden ist. Auf jeden Fall schloss American News Company die Pforten und Goodman musste schnell einen neuen Vertriebs-Partner finden – Atlas gab es nicht mehr und die einzig mögliche Alternative war "Independent News Distributing", deren Inhaber der große Konkurrent "National Comics (DC)" war.
Das Problem war, dass die Rahmenbedingungen so aussahen, dass Timely/Atlas nur 8 Ausgaben pro Monat publizieren durfte (also entweder 8 Monatshefte, oder 16 zweimonatlich erscheinende Serien), was eine arge Einschränkung darstellte.
So ging der Vertrieb ab Oktober 57 an Independent News über, gesteuert vom Rivalen DC, und der enge Vertrag erlaubte nur 8 Titel pro Monat. Zu dem Zeitpunkt verschwand auch das Atlas-Logo vom Titel. Independent News die erste Station in Goodmans Arbeitsleben.

1958 kam Kirby wieder langfristig zurück und begleitet Timely/Atlas/Marvel federführend in das Marvel-Zeitalter. (Kirby arbeitete in den 70ger Jahren noch für DC, nachdem er sich mit Lee zerstritten hatte, kam später zu Marvel zurück und arbeitete später auch für Pacific Comics. Kirby starb am 6.2 1994).

 

Marvel Comics Group

1961, Stan Lee arbeitet seit rund 21 Jahren bei Timely. Der Job macht ihm keinen Spaß mehr, weil er schon länger als Texter und Chefredakteur immer nach gleichem Strickmuster Horror- und Romantik-Storys schrieb und produzierte.
Der Comic-Markt war eingebrochen, auch die Hetzkampagnen von Wertham und Gesinnungsgenossen hatte seine Spuren hinterlassen. Der Umsatz und die Auflagen waren lange nicht mehr so hoch wie zu den Golden-Age-Zeiten.

Amazing Adventures
Amazing Adventures 3
Amazing Fantasy 15
Amazing Fantasy 15
Fantastic Four 1
Fantastic Four 1

Die Zeit der Marvel Comics begann mit Amazing Adventures 3, Ausgabe August 1961; erschienen im Mai 1961 – das erste Hefte, das als Marvel Comic bezeichnet wurde.

Aber wieder schaffte es DC mit Flash und Justice League neue Superhelden-Zeichen zu setzen und neue große Erfolge zu feiern. Goodman, ein Geschäftsmann, der (wie schon erwähnt) inhaltlich nicht sehr innovativ war, sondern gerne auf fahrende Züge aufsprang und von Trends mitprofitieren wollte, gibt Stan Lee den Auftrag, ein vergleichbares Konzept mit Superhelden zu entwerfen.

Zusammen mit Jack Kirby wurden die Fantastic Four entwickelt.
Der Erfolg der Fantastic Four war gut und größer als erwartet. Der Grund lag wohl auch am Konzept der Marvel-Superhelden, sie menschlich zu machen, d.h. sie müssen sich mit Alltagsproblemen auseinander setzen und sind nicht immer mit ihren Superkräften glücklich. Marvel hatte noch nie so ein gewaltiges Feedback von den Lesern erhalten, wie bei den Fantastic Four.
In der Folge erschienen nun weitere Marvel-Superhelden nach dem gleichen Strickmuster. Helden, die neben ihrem Superheldendasein noch ein Privatleben haben, mit den gleichen Problemen wie Du und ich. Damit konnten die Helden schnell eine hohe Beliebtheit erreichen, da die Konkurrenz von National (DC) nur "perfekte" Helden zu bieten hatte, die als Identifikationsfigur nicht die gleiche Qualität hatten.
Horrorcomics hatten sich bei Marvel kurzfristig in Superhelden-Comics verwandelt. Tales of Suspence hatte Iron-Man Stories, Tales to Astonish beinhaltete Giant-Man und Wasp und später Hulk und den wieder ausgegrabenen Sub-Mariner.

Spider-Man war ein Charakter, der wie kaum ein anderer für Marvel stehen sollte und über all die Jahre sicherlich der beliebteste Held im Marvel-Universum war. Er durfte sich im August 1962 erstmals in Amazing Fantasy 15 zeigen, eine Serie, die kurz vor der Einstellung war und in der Stan Lee mit einem neuen Helden experimentieren durfte. Ausnahmsweise war diesmal nicht Kirby sein Partner, sondern Steve Ditko, dessen Zeichnungen besser zum Spider-Man passen sollten. Spider-Man kam an und hatte 7 Monate später eine eigene Serie, The Amazing Spider-Man.

Roy Thomas
Roy Thomas 1972-1974
Len Wein
Len Wein 1974-1975
Marv Wolfmann
Marv Wolfman 1974-197

Wer letztlich die Konzepte/Helden nun geschaffen hatte, ist heute nicht mehr wirklich nachvollziehbar. Nachdem sowohl Lee als auch Kirby sich mit dem Erfolg gerne schmücken wollten (und sich in den letzen Jahren auch nicht wirklich gut verstanden hatten), beanspruchten die Parteien die Schöpferkrone gerne für sich. Im Grunde haben sicherlich alle ihren Beitrag dafür geliefert, da die Vorgaben von Lee in der Zeit grundsätzlich nicht besonders ausgetüftelt waren und dem Zeichner somit große Freiräume gelassen haben. Es hätten auch nicht diese Mengen an Storys produziert werden können, wenn Lee alles genau vorgegeben hätte. Es gab nur einen groben schriftlichen Entwurf der Geschichte und der Zeichner machte innerhalb dieses Rahmens die Story. Wenn die Zeichnungen fertig waren, ergänzte der Autor die Texte in den Blasen.

 

Der kreative Kern waren neben Stan Lee, Jack Kirby, Steve Ditko noch Werner Roth, Bill Everett, John Romita Sr. und Don Heck.

Gerry Conway
Gerry Conway 1976
Archie Goodwin
Archie Goodwin
1976-1978 (links)
Jim Shooter
Jim Shooter 1978-1987
Tom De Falco
Tom De Falco 1987-1994
Bob Harras
Bob Harras
1995-2000

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1968 verkaufte Goodman Marvel an Perfect Films (die ihn noch weiter als Präsident beschäftigten).

Stan Lee wurde nun Herausgeber (1972) und sein Nachfolger auf dem Posten des Chefredakteurs wurde Roy Thomas (1972 bis 1974), der aber schnell das operative Arbeiten (Story schreiben, Texten) vermisst und darum recht schnell den Job wieder aufgegeben hat, später Len Wein (1974 bis 1975), Marv Wolfman (Magazine 1974 bis 1975; 1975 bis 1976), Gerry Conway (1976), Archie Goodwin (1976 bis 1978), Jim Shooter (1978 bis 1987, hat eine längere Periode durchgestanden und vermutlich mehr als alle anderen Chefredakteure bewirkt), Tom DeFalco (1987 bis 1994), Bob Harras (1995 bis 2000), Joe Quesada (ab 2000 und jetzt unter Disney weiter aufgestiegen).

Stan Lee hatte immer die Vorstellung, die Leser mit Hintergrund-Informationen zu versorgen und sie somit einzubeziehen. Es wurden Fanclubs wie FOOM (Friends of Ol Marvel) ins Leben gerufen, mit der Info-Zeitschrift FOOM, oder später Marvel Age. Lee wollte, dass die Fans sich als Insider und Teil der Marvel-Gemeinde fühlen und nicht nur als Konsumenten. Das war sicherlich einer der Bausteine des Erfolges von Marvel, den jeder Mitarbeiter bei Marvel auch gelebt hatte.

In den 70ger Jahren ließ das Interesse an Superhelden wieder etwas nach und es wurden mehr Horror-Comics produziert (z.B. Dracula, Man-Thing, Werewolf by Night).
Dennoch sind in der Zeit die Gewinne bei Marvel insgesamt geschmolzen. Weniger Umsatz und höhere Produktionskosten führten dazu, ohne dass es die besondere Begründung für die eher schlechte Gesamtsituation gegeben hätte. Die Star Wars-Rechte haben in dieser Zeit lt. Jim Shooter Marvel über Wasser gehalten. George Lukas (damals noch nicht der Star) hatte mit Roy Thomas die Star Wars Comics abgesprochen, wobei Thomas intern einige Hindernisse überwinden musste, ehe die Star Wars Comics veröffentlicht wurden. Die hohen verkauften Auflagen halfen Marvel wieder auf den Gewinn-Kurs.

Joe Quesada
Joe Quesada ab 2000
1978 wurde Jim Shooter Chefredakteur und versuchte bei Marvel einen professionelleren Arbeitsstil und wieder bessere inhaltliche Qualität durchzusetzen, nachdem seine Vorgänger nur recht kurz am Werk waren. Termintreue und ein etwas diktatorischer Stil wurde von Shooter bei Marvel eingeführt. Das machte ihn nicht überall sehr beliebt, aber er leistete seinen Beitrag, Marvel wieder wirtschaftlich erfolgreicher zu machen.

1987 musste er die Segel streichen, da er sich mit seiner sehr wirtschaftlich orientierten Arbeitsweise einige Feinde bei den altgedienten Kreativen gemacht hatte. Dabei hat er auch für die Künstler Positives erreicht, indem er für diverse Mehrfachnutzungen der Werke Lizenzgewinne für die Kreativen ermöglichte. Die Crossover-Storys wurden unter seiner Regie zu einem wirtschaftlichen Erfolgsmittel und die organisatorischen Produktions-Abläufe hatte er professionalisiert.

 

 

 

1988 kaufte Ronald Perleman von Cadence (Inhaber von Perfect Films) den Marvel-Verlag. Perleman kaufte nach Heuschrecken-Art (also auf Pump, die Schulden wurden dann den jeweiligen Firmen untergeschoben) Fleer und Skybox (Sammelkarten), Panini (Klebebildchen; so kam dann in der Folge auch die Zusammenarbeit mit Panini) und Heroes World (Vertrieb).

Ron Perleman
Ron Perleman

Ohne auf die Qualität zu achten, kehrte man unter Ron Perleman zur Goodman-Philosophie zurück und versuchte mit viel Masse wirtschaftlich erfolgreich zu sein.
Perleman brachte Marvel schließlich an die Börse. Durch den Kauf von Malibu Comics 1994 wollte man an die neuartige Computer-Kolorierungstechnik kommen.
Durch den neuen Vertriebskanal, den Marvel mit Heroes World beschreiten wollte, kamen Händler in Schwierigkeiten, bzw. Konditionen wurden für Händler schlechter, so dass sie nicht mehr erfolgreich arbeiten konnten. Durch Pleiten und Schließungen bei vielen Comic-Händlern verlor auch Marvel einige Vertriebskanäle. Durch eine immer schlechter werdende Qualität der Hefte ging es Marvel wirtschaftlich immer bescheidener.

Blinder Aktionismus führte zu einigen Versuchen, Helden neu zu konzipieren, nicht dabei bedenkend, dass die bisherigen Kunden das Marveluniversum so ganz ok fanden und man diese mit Umkrempelaktionen u.U. verlieren könnte. Es erwischte auch Spider-Man mit der Klon-Saga, bei der man Spider-Man vom Peter Parker-Ballast zu befreien versuchte. Später ist man inhaltlich wieder zurück gerudert.

1997 musste Marvel Konkurs anmelden (nicht zuletzt durch die Schulden, die beim Verkauf zustande gekommen waren und dem Verlag dann belastet wurden).

Marvel wurde von Toy-Biz übernommen und von Avi Arad, Joe Quesada, Isaac Perlmutter und Bill Jemas (der aber 2003 wieder gefeuert wurde und durch Dan Buckely ersetzt wurde), geleitet.
Diese gingen das Geschäft innovativer als ihre letzten Vorgänger an und setzten auf den Film als neues Medium für die Marvel-Helden.
Die Filme X-Men, Spider-Man usw. kamen gut an und mit den Beteiligungen an der Film-Vermarktung konnte Marvel wieder gute Zahlen schreiben. Allein die Print-Version der Comic-Helden hätte das nicht geschafft.

Marvel war immer in New York City ansässig, hier die Stationen:
McGraw-Hill Building in der West 42nd Street (noch als Timely Comics 1939);
in der Suite 1401 des Empire State Building;
in 635 Madison Avenue (nicht 625 Madison Ave.); dann 575 Madison Avenue; 387 Park Avenue South; 10 East 40th Street; und 417 Fifth Avenue.

Bislang hatte Marvel nur Geld von Filmproduzenten/-studios bekommen, weil sie Ihnen die Vermarktungsrechte für bestimmte Superhelden zur Verfügung stellten. So konnte es durchaus sein, das ein Film mehrere Hundert Mio. US$ einspielte, Marvel dafür aber nur ein paar Prozente zurück bekam. Das konnten dann auch mal nur ein paar Mio. US$ im EINstelligen Bereich sein.

Um an der Film-Produktion noch besser zu verdienen, gründete Marvel dann ein eigenes Filmstudio. Leider sind die Vermarktungsrechte an bestimmten Figuren noch immer an andere Produzenten oder Filmstudios gebunden, so dass sie von Marvel nicht direkt genutzt werden können. Dies dürfte wohl auch der Grund sein, dass Thor, Captain Amerika und die Rächer noch nicht zum Zuge gekommen waren, da hier die Rechte noch bei Marvel lagen. Mit Iron-Man I und II ist man dabei schon mal sehr gut gefahren.

Man versuchte nun wieder die Konzepte zu verbessern, bzw. neue Sachen zu testen. So kamen die Ultimate Comics gut an (zumindest bei vielen Lesern, was die Umsätze zeigen) und es gelang der neuen Führungsriege, die Verkaufszahlen wieder zu stabilisieren.
Auch Civil War brachte Marvel wieder mehr Aufmerksamkeit ein und die Verkaufszahlen haben sich wieder besser entwickelt. Zwar ist das im Grunde wieder die alte Vorgehensweise, mit Crossover-Stories Anreize zum Kauf aller Serien zu setzten (Shooter hatte das schon perfektioniert), aber sicherlich wurde das nun spannender umgesetzt.

2009 August/September: Walt Disney übernimmt Marvel für umgerechnet 2,8 Milliarden Euro. Der Grund ist nicht, dass es einem der beiden Partien schlecht geht (die Zahlen sind momentan recht gut), sondern weil sich Disney neue Zielgruppen erschließen will. Marvel wäre eine gute Ergänzung zu den Disney-Produkten.
Disney wollte sich die Rechte für die Marvel-Charaktere sichern, da man künftig noch mehr ins Film-/Spiele-Geschäft einsteigen möchte. Für Disney ist es künftig möglich, nicht nur die Zielgruppe der jugendlichen Mädchen zu erreichen, sondern nun auch vermehrt die männlichen Jugendlichen mit Hilfe der Marvel-Titel. Disney hat mit Buena Vista eine florierende Vertriebsorganisation, Marvel die entsprechenden Charaktere, die nur auf die Vermarktung warten. Erfolgreich waren die letzten Film-Produktionen mit Marvel-Material allemal.

An den Lizenz-Verträgen möchte Disney wohl erstmal nichts ändern, sondern sie weiterlaufen lassen. Wobei es aber durchaus auch möglich ist, das man die bestehenden Verträge gar nicht ändern kann, da sie aufgrund der bestehenden Absprachen weiterhin bei den Filmstudios liegen. Ob es Auswirkungen auf Marvel Deutschland (Panini) haben wird, ist derzeit nicht zu erwarten.

Bleibt zu hoffen, dass Disney keine radikalen Veränderungen bei Marvel umsetzen wird, sondern den begonnenen, erfolgreichen Weg unterstützt.

Wie es mit den Marvels weiter geht, bleibt spannend. Die Befürchtung ist, dass es in 10 Jahren (Dank Spielekonsolen, Internet und anderer Unterhaltungsmedien) nur noch spezialisierte Nischen-Verlage mit sehr geringen Auflagen bei den Publikationen geben wird. Das entspricht nicht unbedingt der Philosophie von Marvel. Aber vielleicht kann der Kauf durch Disney positive Impulse bringen. Man kann auch dem Kauf durch Disney den positiven Aspekt ableiten, dass die Top-Medien-Profis mit Marvel ein gutes Geschäft erwarten.
2010/2011: Bislang hat man bei Disney / Marvel nicht den Eindruck, dass alles über den Haufen geworfen wird. Lediglich die Film-Vermarktung der Marvel-Helden scheint etwas mehr Schwung bekommen zu haben und die Charaktere, die rechtlich bei Marvel liegen, finden schnell den Weg ins Kino.

Marvel Comics Geschichte in Deutschland

In Deutschland hat Marvel mittlerweile auch eine ganz vorzeigbare Geschichte. Nachdem in Deutschland immer mehr Lizenzmaterial aus den USA verlegt wurde (winzige Ausnahmen mal ausgenommen), hat sich die inhaltliche Geschichte hier zeitverzögert abgespielt.
Der große Unterschied ist, dass es nie DEN Marvel-Verlag in Deutschland gegeben hatte, sondern die Rechte durch zahlreiche Hände gegangen sind.

BSV / Williams Verlag ( 1966 bis 1973 )
Erwin Heimberger
Erwin Heimberger - Geschäftsführer bsv

Angefangen hat es mit den HIT-Comics des bsv (Bildschriften Verlag).

Der bsv entstand aus dem "Verlag Internationale Klassiker", der 1956 gegründet wurde. Meines Wissens war das erste Comic-Produkt "Illustrierte Klassiker", welches zuvor schon im Rudl-Verlag publiziert und nun bei bsv verlegt wurde.
1957 fand die Umfirmierung zum Bildschriften Verlag statt und der Verlag zog nach Aachen - Aachen, Brabantstr. 8 (bsv war übrigens damals nicht selbstständig, sondern gehörte zu dem englische Unternehmen Thorpe & Porter - teilweise bei wenigen Serien erkennbar an einem Logo, welches wie ein Indianer-Zeit aussieht, ein Tipi; Tipi und das Tipi-Zelt-Logo kommt von den Anfangsbuchstaben von Thorpe & Porter ("T" "P" auf Englisch)). Thorpe & Porter machte den Vertrieb für Marvel ab 1959 in Großbritannien (die Hefte wurden in der Regel mit einem eigenen UK-Cover mit UK-Preis geliefert).
In den Anfangstagen verlegte man bei bsv hauptsächlich Lizenzmaterial von DELL und dessen Nachfolger Gold Key.
Geschäftsführer war zu dieser Zeit Erwin Heimberger (1. Juli 1964 bis 1973, als im Anschluss Klaus Recht das Ruder übernimmt). Herr Heimberger beerbte Herrn Schreiner als Geschäftsführer bei bsv und war vorher bei Pressevertriebsgesellschaft Frankfurt und baute dort einen Direktvertrieb für Romanhefte mit seinem Freund Wolfgang Schillig auf. Bild am Sonntag, Stern, Klambt Verlag waren weitere Stationen (bei denen er immer Vertriebsaufgaben hatte), ehe er bei bsv angekommen war.

 

 

bsv Verkaufsschachtel
bsv Verkaufsbox für die Hefte im Direktverkauf
Foto c by Gerhard Trebbin

Der Vertrieb von bsv lief über den Direktverkauf, das heißt die Verkaufsstellen wurden nicht über den Grossisten beliefert, sondern man leistete sich viele Mitarbeiter, die als Vertreter die einzelnen Verkaufsstellen besuchten und betreuten. Die bsv-Produkte wurden (nach Erzählung Wolfgang Fuchs) mit eigenen Verkaufsständern am Verkaufsort angeboten. Die Publikationen wurden periodisch von den Vertretern ausgetauscht/aktualisiert (Rack-Jobbing). Diese Verkaufsstrategie wurde noch bis 1973 beibehalten. Der Aufwand war sicher nicht gering bei 16000 Verkaufsstellen, aber lt. Heimberger nicht unerfolgreich (Auflagen bis 50.000 Ex).

 

1964 kam über die Reihe "Sheriff Klassiker" schon mal Marvel- bzw. Atlas-Material nach Deutschland (Western Titel bei Atlas waren z.B.: Ringo Kid, The Outlaw Kid, Kid Colt, Outlaw, Gunsmoke Western, The Black Rider – Rawhide Kid und Two-Gun-Kid sind vermutlich auch Atlas-Reihen).
1966 wurde der bsv an National Periodical (später DC) von Thorpe & Porter (die eben kurz vor der Pleite standen, sich allerding noch eine Weile in UK hielten) verkauft.

1966 kamen dann endlich die Marvel Comics in den HIT Comics zur Veröffentlichung. Vom Konzept her gab es erst einmal EINE Comic-Reihe, eben die HIT-Comics, für die man sich beim US-Material relativ frei bedient hatte und von Heft zu Heft Geschichten aus unterschiedlichen Serien und unterschiedlicher Aktualität präsentiert hatte.

HIT Comics 1
HIT Comics 1
Hit Comics ASpinne 254
HIT Comics 254 Spinne
HIP Comics Spinneman
HIT Comics 65
HIP Comics Spinneman 66
HIP Comics Spinneman 66
De4Vrrdedigers
HIP Comics De 4 Verdedigers 65
De 4 Verdedigers 66
HIP Comics De 4 Verdedigers 66

Waren es anfangs nur die Spinne und die Fantastischen Vier, kamen nach und nach verschiedenste Marvel-Helden in Form eines eigenen Heftes zum Einsatz. Man versuchte aber, dass die Zugpferde Spinne und FV etwa die Hälfte des Materials ausmachten.
Die ersten Hefte enthielten noch eine Superhelden-Geschichte und eine Füllstory (Horror oder Western). Später wurden als Zweitgeschichten ebenfalls Superhelden-Geschichten verwendet, die aber auf mehrere Hefte verteilt wurden.
Ab Januar 1968 erschienen die HIT Comics wöchentlich und ab August 1968 hatten die Hefte 52 Seiten, die für zwei komplette Superhelden-Geschichten Platz geboten haben + eine Füllstory.

 

Interessant ist, dass der bsv in einem Druckverbund engagiert war, in dem die HIT Comics fast identisch mit den holländischen HIP Comics produziert wurden. Der Grund war natürlich eine Kostenersparnis bei der Produktion der Hefte. Das Sparen funktioniert auf dieser Basis:
Im Verbund hat man das gleiche Papier und Format (man spart an der Logistik), man spart Zeit beim Einrichten an der Druckmaschine (Druckplatte einspannen, Farbe einstellen usw). Das Falzen, Schneiden, Binden und Verpacken geht in einem Rutsch, da die Umfänge und Formate identisch sind.
In der Summe spart man ordentlich Zeit und Aufwand und somit auch Geld.


Manche seltsamen Übersetzungen werden (von W. J. Fuchs) auf die Tatsache zurückgeführt, dass die Übersetzer oft nur den Auftrag hatten, die Hauptgeschichte zu übersetzen; die Zweitstory wurde vermutlich von holländischen Typistinnen gemacht (deren Aufgabe das Setzen der holländischen und deutschen Texte war), die den Ursprungstext in das Deutsche übertragen haben.
Das waren dann die kleinen Nachteile des Druckverbundes - holländische Druckvorstufe mit Übersetzungsaufgaben.

 

Rückwirkend kann die Reihenfolge der Veröffentlichungen keine Beifallstürme entfachen, aber immerhin war das der Start für Marvel in Deutschland. Im Gegensatz zu Williams wurden die Geschichten i.d.R ungekürzt veröffentlicht. Die Qualität der Hefte hat allerdings durch die Schwarz/Weiß-Veröffentlichung (bis auf den farbigen Umschlag) verloren, auch der schlechte (Schreibmaschinen-)Satz der Texte in den Sprechbasen und die inhaltlich schlechte Übersetzung haben das etwas herunter gezogen.

Nach den Ausgaben der Hit-Comics Nummer 1 bis 153 hat man die Serien aufgeteilt, d.h. Die Spinne, Die Fantastischen Vier, Die Rächer, Der Eiserne, Der Halk (Hulk), Devil-Man, Der Dämon, X-Menschen (X-Männer), Captain Marvel, Der Mächtige Thor haben ihre eigene Reihe erhalten. Davon länger gelaufen sind nur Die Spinne und die Fantastischen Vier, die anderen Serien wurden nach wenigen Ausgaben eingestellt bzw. die Veröffentlichung weniger, einzelner Hefte einer Serie erstreckte sich über 3 Jahre.

 

Der Übergang zum Williams-Verlag war fließend. Gehörte der bsv seit 1966 National Periodical Publications (DC) wurde National Periodical durch Williams Communications Group gekauft (gehört zu Warner Communications Company, New York, die wieder zu Kinney National Services Inc. gehört, welche der Mutterkonzern von Warner Brothers, später Time Warner war)

Warner hat in Europa (Frankreich, Holland, Skandinavien, Italien ....) einige andere Verlage gekauft, mit dem Wunsch, Comics europaweit unter einem Dach zu veröffentlichen. Grund war eine wirtschaftlichere Basis für das Publizieren der Hefte.

1971 erfolgte nun der Beschluss von Warner Brothers, europaweit unter dem Label Williams Superhelden-Serien zu verlegen.
Die Auflagen bewegten sich zu dem Zeitpunkt (um 1971) bei ca. 30.000 Ex. oder 32.000 Ex. Auflagenzahlen nenne ich nur hi und da, um den wirtschaftlichen Erfolg der Marvels zu den verschiedenen Zeiträumen zu verdeutlichen. Leider ist mir aufgefallen, dass es etwa ebenso viele Auflagenzahlen wie Quellen gibt und es gibt bei Auflagen zwei entscheidende "Währungen": "Druckauflage" und "verkaufte Auflage". Um welche Art der Auflage es sich handelt ist leider oft nicht beschrieben. Ich gehe aber bei den genannten Zahlen von verkaufter Auflage aus.

Bis Juni 1971 war der Verlagssitz Bildschriftenverlag (BSV) in Aachen, Brabantstraße, zwischen Juli 1971 und Februar 1972 gab es die Bezeichnung Bildschriftenverlag (BSV)/Abteilung Williams, Aachen, Brabantstraße; 1972 zieht der Verlags nach Alsdorf bei Aachen, Jülicher Straße/Max-Plank-Straße 1-9, als Bildschriftenverlag (bsv)/Abteilung Williams bis September 1973.


1973 verlässt Erwin Heimberger verlässt den bsv. Beim Kauf durch DC wurde vereinbart, dass die Altschulden von Thorpe & Porter von 6 Mio. nicht an den neuen Verlag belastet werden sollten. Ein neuer Präsident bei National/DC hat diese Zusage an Heimberger aber nicht eingehalten. Das war lt. seiner Aussage der Grund für seine Kündigung. Heimberger gründete den Xenos Verlag. Herr Erwin Heimberger war lt. Fuchs ein sehr seriöser Mensch mit einer Ausstrahlung, die ein hohes Level an Korrektheit vermittelte.

1973: Klaus Recht wird Geschäftsführer und Nachfolger von Heimberger. Er sollte unter dem Label Williams die Publikationen neu organisieren; war Redakteur bei Spiegel und Capital, Chefredakteur bei Manager Magazin, Leiter der Abteilung Planung und Entwicklung bei Gruner & Jahr; Recht hatte wohl große Pläne mit den Marvel Comics (vergleichbarer Kult wie in den USA), die sich aber nie wirklich erfüllt hatten (mit MAD hatte er aber einen so großen Erfolg, dass er finanziell keine Probleme hatte). Michael Klieber übernahm die Vertriebsleitung (später ging er zu ehapa)


Das Interessante an dem Druckverbund, in dem sich bsv schon seit Jahren bewegt, ist für die Sammler und Fans rückblickend, dass sich daraus schnell Pannen und Veränderungen herauslesen lassen. Die HIT- und die HIP-Comics (aus den Niederlanden) sind beinahe identisch. Beinahe...
Bei der HIT Spinne-Serie fehlt im Januar 1972 die Ausgabe zwischen der Nummer 231 und 232 (entspricht Spinnemann Classics 52 in Holland)
Ebenfalls bei der HIT Spinne fehlen Anfang/März 1973 die Nummern 244 und 245 (entspricht Spinnemann Classics 65 und 66)
Bei den Fantastischen Vier trifft es die Ausgabe zwischen Nummer 231 und 232 (Vier Verdedigers Classics 52) im Januar 72 und die "normalen" Nummern 243 und 244 (Vier Verdedigers 65 und 66, Anfang/März 1973) – normal deshalb, weil die 245 und 246 von bsv umnummeriert wurden und zu 243 und 244 wurden; es gibt also keine Nummern-Lücke.

April 1973 wird der bisherige (bsv-)Vertriebsweg (Rack-Jobbing, lt. W. J. Fuchs) umgestellt; ab diesem Zeitpunkt erfolgt die Auslieferung über die Verlagsunion Wiesbaden (und vermutlich ab Januar 1974 in den Nielsen-Gebieten im Phasenvertrieb).
Die Vertriebsumstellung fällt in den gleichen Zeitraum, in dem die Spinne und Fantastischen Vier-Ausgaben fehlen. Das lässt den Schluss zu, dass die Vertriebsumstellung nicht ganz unproblematisch war. In den März 1973 fällt auch der Ausfall von Horror 7, Nummer 8 erscheint wieder normal. Ab Horror 8 schmückt das W Williams-Logo das Cover und im Impressum steht nun Williams-Verlag GmbH.

Oktober 1973 bis September 1974: Ein von bsv unabhängiger Verlag Williams (Elbchaussee 124a in Hamburg) wird mit dem alten bsv/Williams verschmolzen. Ab Oktober ist auch das Warner-Logo auf dem Titel zu finden statt dem Williams-Logo.
Nachdem eine Neustrukturierung der Marvel Comics (eigentlich des ganzen Verlags) nun stattfand, endeten die HIT Comics – vermutlich kurz vor dem Erscheinen der ersten "Williams-Marvels".

Williams-Verlag / Klaus Recht ( 1974 bis 1979 )

Ankündigungs Poster Williams
Ankündigungsposter der neuen Marvel-Serien nach der Vorlage FOOM-Poster
Die Neuen sind da Poster
Ankündigungsposter für die neuen Serien Eiserner, Dr. Strange, Planet der Affen

Die Veröffentlichungen beim Williams-Verlag fanden bei den Fans ein sehr positives Feedback. Hatte man sich doch bemüht, die Serien möglichst original (Reihenfolge und Inhalt) ins Deutsche zu übertragen, auch wenn man oft erklären musste, warum dieser oder jener Charakter nun viel schlechter gezeichnet wäre, als bei den Hit-Comics. Das lag natürlich daran, dass die letzten Hit-Comics recht aktuell waren und die ersten Williams-Veröffentlichungen mit den "schlechter" gezeichneten Ursprungsausgaben begonnen hatten.

Die Williams-Redaktion war bei der Präsentation der Marvels auch sehr nah an der Stan Lee-Idee, den Leser zum Insider zu machen und ihn mit Leserbriefen, der direkten Ansprache (hallo Fans!) und den Zusatzinformationen eng an das Produkt zu binden. Ich habe auch den Eindruck gehabt, dass damals ALLE Leserbriefe von der Redaktion beantwortet wurden.

Im Januar 1974 ging es mit dem Marvels im "Williams-Verlag" los. Die Verlagsunion Wiesbaden hat die Hefte im Phasenvertrieb unter das Volk gebracht. Die Hefte wurden in einige Gebiete (Norden Deutschlands) an die Verkaufsstellen (Kioske z.B.) verschickt, die Remittenden wieder eingesammelt und (zumindest theoretisch) an die nächsten Gebiete (nach Süden sich weiter durch arbeitend) verschickt. So kam es vor, dass manche Hefte erst nach 6 Monaten am Kiosk gelandet sind, was die Aktualität bei den Leserbriefen und Kleinanzeigen stark beeinträchtigt hatte.

1974: Eine Broschüre und ein Werbeposter (Auflage 4 Millionen) kündigt die neuen Marvel Comics an. Die Auflagen der Hefte sollen zwischen 10.000 und 25.000 lt. der Werbebroschüre liegen (Fuchs). Eine andere Aussage spricht bei den Start-Auflagen von 74.000 Ex. Spinne, 60.000 Ex. Fantastischen Vier, alle anderen Serien 64.000 Ex. Ich vermute, dass die zweite Aussage realistischer ist (als Druckauflage).

Im Januar erscheinen Die Spinne und Die Fantastischen Vier 2x pro Monat, Das Monster von Frankenstein, Die Gruft von Graf Dracula, Der unglaubliche Hulk, Der mächtige Thor, Die ruhmreichen Rächer 1x pro Monat. Ab Januar 1976 kamen die Rächer auch 2x pro Monat bzw. kurz darauf 14tägig.

Im Oktober 1974 zieht sich Warner Communications überraschend aus den Verlagen wieder zurück, vermutlich weil die wirtschaftlichen Erwartungen nicht erfüllt wurden und Klaus Recht übernimmt die Lizenzen und den Verlag (Klaus Recht GmbH). Das Warner-Logo vrschwindet mit der 10. Produktion wieder vom Titel. Vom Oktober 1974 bis Juni 1975 heißt der Verlag Klaus Recht Verlag, Hamburg, Elbchaussee 124a und Klaus Recht ist nun auch der Eigentümer. Juli 1975 bis Mai 1987 heiß der Verlag wieder Williams Verlag in Hamburg, Schwanenwik 29, aber Klaus Recht bleibt Eigentümer des Hauses.

 

Ab Oktober 1975 folgen drei weitere monatliche Serien: Dr. Strange der Magier, Der Eiserne, Der Planet der Affen und im Februar 1976 kommt noch die Taschenbuchreihe Die tödlichen Hände des Kung Fu.
Der bittere Moment für die Marvelfans kommt dann September/Oktober 1976: Die Einstellung aller Serien bis auf Die Spinne, Die Fantastischen Vier und Die ruhmreichen Rächer.
1978/79 kommen noch die drei Krieg der Sterne-Ausgaben und zwei Sonderhefte zu den Kino-Filmen Die Begegnung der dritten Art und Der weiße Hai 2 (welche nicht so stark beworben wurden – vermutlich weil sie nicht im Phasenvertrieb erschienen sind und die Werbung über die normalen Hefte u.U. viel zu spät beim Leser angekommen wäre. Man wollte die Hefte zeitnah zu den Filmen am Markt haben, was mit Phasenvertrieb unmöglich gewesen wäre), ehe dann im November 1978 auch für Die Fantastischen Vier und Die ruhmreichen Rächer Schluss ist. Ein halbes Jahr später endet auch Die Spinne (Mai 1979) und die Ära Marvel/bsv/Williams/Recht endet.

Woran es lag ist schwer zu sagen. Sicherlich steckte in den Ausgaben von Williams/Recht mehr Arbeit und Einsatz, als in den damaligen Konkurrenz-Produkten. Ob das aber beim Kunden/Leser so angekommen ist, darf bezweifelt werden. Der Verlags-Nachfolger Condor hat mit einer oft kritisierten, wesentlich weniger liebevollen Art der Veröffentlichung wesentlich mehr wirtschaftlichen Erfolg gehabt. Was nützt Qualität, was bringt einem eine möglichst originalgetreue Art der Veröffentlichung, wenn es der Leser nicht erkennt?


Neben dieser Sache hatte Williams einfach auch den Nachteil, schlechtere Vertriebswege als die Konkurrenz zu haben. Grundsätzlich waren die Marvels auch nicht das große Geschäft, was man sich davon versprochen hatte, wollte man doch ursprünglich Marvel einen vergleichbaren Stellenwert in Europa verschaffen, wie er in den USA zu finden war. Sein Geld verdiente Klaus Recht mit MAD, welches besser gelaufen war, als sich das die Beteiligten jemals vorstellen konnten. MAD war sowohl für Klaus Recht als auch für Herbert Feuerstein (Chefredakteur von MAD) der große finanzielle Treffer, der sicherlich alle Marvel- und sonstige Wunden mehr als geheilt hat.

Juni 1987 bis Juni 1989 ist der Williams Verlag in Berlin niedergelassen, Berlin, Kurfürstendamm 92, Juli 1989 bis November 1991: Delta Williams Recht Verlag, Bad Schwalbach, Breslauer Str. 17

Dezember 1989 bis Juli 1995: MAD Verlag Heidi Recht GmbH, Hamburg.

 

 

Condor Verlag ( ConPart Verlag GmbH, 1979 bis 1996 )

Die Ära Condor wird bis dahin zur längsten Marvel-Zeit bei einem Verlag in Deutschland und auch zur umstrittensten in Fan-Kreisen.
Als die Lizenzen für die Marvel Comics in Deutschland frei wurden, hat sich Wolfgang M. Biehler für den Condor Verlag (er hatte vorher schon Kontakt zu den Marvels bei bsv) die Rechte gesichert und die Serien unter Condor veröffentlicht (Klaus Recht und Marvel konnten sich nicht mehr einigen und nachdem die Gewinne mit Marvel nicht gut waren, weigerte sich Recht, die Lizenz-Forderungen von Marvel zu erfüllen). Lt. Biehler lagen die Auflagen bei Recht nur noch bei 20.000 bis 30.000 Ex., während die Spinne mit einer Vertriebs-(Druck-)Auflage von 80.000 Ex. bei Condor startete.
Grundsätzlich gingen die Serien bei Condor mit ca. 80.000 bis 120.000 Ex. ins Rennen.
Biehler hat bei den Marvels ein gutes Geschäft vermutet und wollte ursprünglich keine Magazine oder Alben publizieren, sondern nur die Taschenbücher. Aus Lizenzgründen musste er wohl zumindest etwas im Magazin-Format produzieren. Mit den Taschenbüchern ist Condor dann schon an den Markt gegangen, als sich Klaus Recht gerade aus den Markt zurück gezogen hatte.

Condor-Interpart wurde am 1.1.1973 gegründet (GF: Helga Biehler, Udo H. Wetterau) und Wolfgang M. Biehler begann auch gleich mit seinem (vermutlichen) Lieblingsprojekt: Clever & Smart.
Biehler war zuvor bei Willms Verlag (u.a. Schweinchen Dick) und hatte mit der Firma W.E. Hirsch & Co. in Frankfurt einen starken Vertriebspartner, der ihm den Mut gab, neue Schritte zu wagen.

Condor Postkarte
Postkarte, mit welcher zumindest Klaus Strzyz Fanpost beantwortet hat

Condor wird bis zu diesem Zeitpunkt in Deutschland zum langfristigsten Marvel-Verleger – trotz der Kritik, die oft an den Condor-Marvels geübt wurde. Auch wenn viele Fans die Veröffentlichungspolitik nie verstanden haben, ist das Programm am Markt recht erfolgreich gewesen. Das Verteilen der verschiedenen Serien auf unterschiedliche Formate (Alben, Hefte, Taschenbücher bei der Spinne) hat nicht zu einer Übersichtlichkeit und Nachvollziehbarkeit der geschichtlichen Abläufe gesorgt. Aber auch die Taschenbücher, die oft von Lesern und Übersetzern kritisiert wurden (kein Platz für eine vernünftige Übersetzung) boten doch ein wunderbares Preis-Leistungsverhältnis.
Durch die Kritik an den Publikationen gab es Rechtsstreitigkeiten, die z.B. auch der Comixene damals große finanzielle Schwierigkeiten gebracht hatte (und wohl das Aus für die damaligen Herausgeber). Mit EPIC hatte Condor sogar einen mutigen Schritt gezeigt, etwas anspruchsvollere Comics vom Marvel zu publizieren. Aber auch da gab es Ärger mit dem Volksverlag, der recht harte Kritik an den Ausgaben äußerte, sicherlich auch als Angst um das eigene Produkt Schwermetall, was dann auch zu (teueren) Rechtsstreitigkeiten führte.
EPIC hat sich beinahe getragen und nur wenig Miese gemacht (Biehler es gerne weiter gemacht, da gute Qualität) aber die Lizenzen waren kompliziert, da die Künstler/Kreativen ihre Arbeiten in Europa selber vermarktet hatten und Marvel keine Lizenzen weiter geben konnte (das war einer der ersten Fälle bei Marvel, dass die Zeichner ihre Rechte nicht komplett abgetreten hatten, wie das sonst üblich war).

 

Condor Verlagsprogramm
Condor Verlagsprogramm von 1981/82

Hajo F. Breuer, der in Fankreisen schon vorher bekannt war, folgte Hans-Jörg Fritsch als Chefredakteur/Koordinator/Hauptübersetzer bei den Condor-Marvels bis Anfang 1983. Er bekam noch die Unterlagen von Herrn Biehler zugeschickt

Dr. Klaus Strzyz beerbte dann Breuer, die beiden kannten sich aus der Fanszene,1983 bis 1990 bei Condor als hauptamtlicher Übersetzer. Geholfen haben ihm in seiner Condor-Zeit (weil es manchmal doch recht viel war) Eckart Sackmann, Ulrich Böttcher, Heipe Weiss, auch Robert Mann (der normalerweise für das Korrektorat zuständig war und das schon seit Breuer-Zeiten)

Die Redaktion stellte zu dem Zeitpunkt Robert Wantke dar (Zusammenstellung der Hefte) (einziger Festangestellte)

Ende der achtziger Jahre übernahm Michael Nagula die Redaktion und Übersetzung ab ca. Juli 89 bis Ende 1996 (dem Ende der Marvels bei Condor), nachdem er Frühjahr 1986 Klaus Stryzy trifft und mit ersten Arbeiten für Condor/Stryzy einsteigt. Nagula hat versucht die Qualität zu verbessern, konnte sich aber nicht wirklich durchsetzen.
Der Chef war aber immer Wolgang M. Biehler. Er ist war zwar Comic-Fan (gewesen), ist aber bis auf wenige Ausnahmen eher der Geschäftsmann gewesen. So war es ihm bewusst, dass bei Taschenbüchern weniger Platz für Texte besteht, aber durch das gute Peis-Leistungsverhältnis war ihm klar, dass es das bessere Geschäft darstellen wird. Auch die Cover der Sonderhefte, welche mit verschiedensten Superhelden befüllt wurden, waren Absicht (besser für den Verkauf).
Inhaltlicher Vorteil der TB: man konnte im Zusammenhang mehrere Hefte lesen, was für das Verständnis der Geschichten gut war.

Das "Sie" in den Heften war Wunsch von Herrn Biehler und auch die Zusammenstellung der Hefte und das teilweise Entschärfen der Texte – seine Meinung, seine Verantwortung. Auch die Tatsache, dass wenig älteres, unveröffentlichtes Marvel-Material verlegt wurde, lag am Willen von Biehler. Er wollte möglichst aktuell sein und bevorzugte darum neues Material. Handlettering war auch nicht gewünscht – es war ein Maschinensatz, der aussieht wie Handlettering. Bei EPIC hatte man damit angefangen und wollte es dann auf alle Produktionen ausweiten

 

Helga Biehler wurde von Mitarbeitern immer als "unsichtbar" bezeichnet. Wolfgang M. Biehler hat ihr alle Rechte an den Verlagen übertragen (darum erscheint sie als Geschäftsführung, während W. Biehler eigentlich keine offizielle Funktion mehr hatte, obwohl er der entscheidende Mann war).

Eine "richtige" Redaktion gab es wohl nie. Ein Cover-Zeichner mit Namen Scholz wurde auch noch erwähnt, aber in der Summe bestand die Redaktion aus vielen freien Übersetzern.

 

Grundsätzlich hatten die Veröffentlichungen bei Condor auch das Problem, in einer Zeit zu passieren, in der viele Comic-Fans nach Frankreich schauten und die Comic-Kunst in den US-Magazinen und somit auch bei Marvel nicht finden konnten und wollten, zumal die Art der Publikationen grundsätzlich recht unterschiedlich war.

 

Nach vielen Jahren kam auch bei Condor das Ende der Marvels. Lt. Biehler war es nicht mehr wirtschaftlich, wobei er behauptet, die Auflagen unter 120.000 Ex wären nicht mehr interessant gewesen. Max Müller (damals noch Dino) meinte, dass die Auflagen von Dino (Druck: 100.000 Ex. Verkauf: 50.000 Ex.) deutlich interessanter für die Lizenzpartner waren, als die 15.000 Ex verkaufte Auflage Spinne-Magazin von Condor.

Welche Angaben bzgl. Auflagen richtig sind – schwer zu sagen.

 

Andere Marvel Verlage im Laufe der Zeit

Norbert Hethke Verlag (1976 bis 1986; Sprechblase, Alben) (viel Conan-Material)

Splitter Verlag (1984 bis 1991)

Ehapa Verlag (1980 bis 1985)

Bastei (1989 bis 1994; gegründet 1949 in Köln, der Name wurde festgelegt von damaliger Besitzerin Ilse Tormin inspiriert von der Kölner Bastei – Überrest einer preußischen Hafenbefestigung Kölns. Das Logo zeigt die Zinnen) (Licht und Schatten und einige mehr)

Rainer Feest
Rainer Feest

Reiner Feest (1991)

Feest USA (gehörte dann zu ehapa) (1991 bis 1994)

Marvel UK 1994 bis 1995

Modern Graphics (1996)

Dino Verlag 1994 bis 2001

Verleger: Dino Verlags GmbH (Oktober 1998-September 1999)

Dino Entertainment AG (Oktober 1999 bis Dezember 2002)

Seit 2003 gehören die Dino-Sachen zu Panini Verlags GmbH

Bei Dino liefen hauptsächlich die DC-Lizenzen. Marvel war durch die DC gegen Marvel-Reihen präsent.

 

 

 

Panini / Marvel Deutschland (ab 1996/97)

Panini hatte unter Marvel Deutschland begonnen, zur "New Spider Man"-Zeichentrickserie eine Begleitserie "Spider-Man zur TV-Serie" zu veröffentlichen.

Nachdem Condor die Lizenzen verloren, bzw. lt Biehler kein Interesse mehr hatte, griff Panini zu und begann mit der Veröffentlichung der Serien in der Aufmachung vergleichbar mit Dino, die schon "DC gegen Marvel" verlegt hatten.

 

Panini wurde bekannt durch die Sammel-/Klebebildchen (Sticker) und ist durch die Übernahme von Marvel "in Kontakt" zu den Marvel Comics gekommen. Wer nun den Impuls gegeben hatte, Marvels in Deutschland unter der Regie von Panini zu verlegen, ist mir nicht bekannt. Mit ein Grund dürfte sein, dass es kostensparende Synergien ergeben sollte, Marvel Comics europaweit zu verlegen und Panini verfügt nun über ein recht großes Vertriebsnetz (man denke nur an die Klebebildchen, wie gesagt).

Stan Lee und Thor
Stan Lee mit Thor-Abbildung - nun funktioniert die Film-Produktion besser als je zuvor.

Tatsächlich hat die Nähe Paninis zu Marvel dazu geführt, dass Panini nun das Portfolio erweitert hatte und nun europaweit Marvel veröffentlicht und lt. Aussage von Panini sogar alle Lizenzrechte für Europa von Marvel bei Panini liegen und dort veraltete werden. D.h. wenn jemand in Europa Marvel verlegen möchte, führt kein Weg an Panini vorbei. Das ist natürlich keine einfache Sache, da Panini, wenn sie das Gefühl haben, der Markt verträgt noch neue Serien, diese lieber selber verlegen. Das ist auch der Grund, warum die Serien fast nur noch bei Panini laufen und nicht wie in den Jahren vorher in verschiedensten Verlagen.

Die aktuellen Produkte findet man recht übersichtlich unter www.paninicomics.de.
Lt. Aussagen von Panini sind die Zeiten für Marvel Comics ganz gut und wirtschaftlich erfolgreich. Das lässt hoffen, dass das Marvel-Zeitalter in Deutschland noch viele Jahre weiter geht.
Die Auflagen liegen zwar mittlerweile nicht mehr in den Bereichen, die einen Wolfgang M. Biehler begeistern würden, aber durch gute Planung lässt sich auch so Geld verdienen.